Archiv 2003
19.01.03 - 25.01.2003


22.1.03

102.0 Jadetöchter  zwei Sterne

Ein Roman, von dem Kritiker sagen, er hätte Passagen, die eines Gabriel García Márquez würdig wären und der mit Australiens bedeutendstem Literaturpreis, dem Vogel Award ausgezeichnet wurde. Ein Roman, der die Geschichte von drei Generationen chinesischer Frauen erzählt, die es bis nach Singapur und Australien verschlägt. Das alles klang für mich sehr interessant. Ich bin offen gesagt recht enttäuscht, was aus der an sich guten Idee gemacht wurde. Die Frauengestalten im Buch - nicht nur die drei wichtigen Frauen - sind entweder passive, unterdrückte und den Männern unterworfene Frauen oder aber auf diese Weise altgewordenen Frauen, die nun ebenso böse ihre Schwiegertöchter und Töchter malträtieren. Ein seltsames Gespinst von Unterdrückung und Gewalt, dabei eine total chaotische Familiengeschichte, ständiges Hin- und Herblenden von dieser zu jener Person und Perspektive und auch in der Zeit selber, so daß es mir teilweise schwer fiel den Überblick zu behalten. Immer wieder kam mir z.B. Pearl S. Bucks "Die Frauen des Hauses Wu" in den Sinn und gegen einen solchen Roman fällt dieser hier meiner Meinung nach gewaltig ab.
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20.1.03

100.0 Das Herz des Bösen  drei Sterne

Ein Agenten-Thriller, der eigentlich alles hat, was das Herz des Agenten-Thriller-Fans sich wünscht und trotzdem "nur" drei Sterne von mir für diesen Roman? Die Gründe dafür sind zum einen, daß für mein Empfinden Gayle Lynds etwas "zuviel" in diesen einen Roman gepackt hat. Alles, was nur irgendwie in einem Agententhriller passieren kann, passiert auch tatsächlich. Nun könnte man meinen, das macht doch so einen Roman spannend, aber das Gegenteil war zumindest bei mir der Fall, denn es war vorhersagbar, was passieren würde. Zu vorhersagbar. Der zweite Grund, warum ich mit dem Roman "Schwierigkeiten" hatte, ist, daß die Autorin mit der ohnehin schon überfrachteten Story auch noch die Thematik der Organtransplantation (in diesem Fall Herztransplantation) verquickt. Beth Convey, erfolgreiche Anwältin, erleidet einen Herzstillstand, braucht eine Transplantation und erhält schließlich auch ein neues Herz. Doch schon bald beschleicht sie der Verdacht, daß sie Eigenarten, Kenntnisse, Vorlieben, Erinnerungen etc. des Organspenders dabei mit übernommen hat. Es scheint, daß der Spender ein Killer war. Auf mich hat es befremdend gewirkt, dieses Thema auf diese Weise behandelt zu sehen, und ich habe mich gefragt, wie die Theorie, die dieser Idee zugrundeliegt, auf Betroffene und Angehörige von Spendern und Empfängern von Organtransplantationen wirkt. Daß man sich die Frage stellt, ob so etwas möglich ist, ist verständlich und sicher auch legitim, aber sie in einem solchen Roman aufzuwerfen und dann ausgerechnet in der Kombination mit einem Killer, das finde ich persönlich reißerisch und wenig hilfreich, um eine solche Thematik und Frage aufzugreifen und zu behandeln. Da hilft auch nicht mehr, daß am Ende des Buches, ein Plädoyer für Organtransplantation abgegeben wird. Positiv anzumerken ist, daß zusätzlich auch noch Adressen, wo man Organspendeausweise bestellen kann, angegeben werden sowie einige Fachliteratur zum Thema.
Vielleicht reagiere ich an dieser Stelle sensibler als andere Leser, weil ich weiß, daß meine beste Freundin, die vor 3 Jahren durch einen Verkehrsunfall tragisch starb, ihre Organe (u.a. auch das Herz) gespendet hat und ich mich damals und auch später öfter gefragt habe, ob die Person, die die Herztransplantation erhalten hat, wohl irgendwelche "Eigenschaften" etc. mit "übernommen" hat.
Ansonsten hätte der Thriller evtl. bei mir auch vier Sterne erringen können.
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