Archiv 2003
12.01.03 - 18.01.2003


18.1.03

99.1 Der Glaspalast  fünf Sterne

Ein Roman, dessen Handlung in Birma, dem heutigen Myanmar spielt, das ließ mich aufhorchen, denn Birma ist ein Land, daß mich schon seit Kindertagen fasziniert hat und es gibt wenig an Literatur, die in diesem exotischen und bis heute weitgehend unbekannten Land. Mit "Der Glaspalast" hat Amitav Ghosh einen großen Roman geschrieben. Eine Familiengeschichte vor dem historischen Hintergrund dieses Landes, ein Plädoyer für ein Miteinander verschiedener Nationalitäten und Rassen, die Geschichte von Freundschaft und Treue, aber auch die Fragen und Problematik der Kolonialpolitik. Dazu - was ich immer sehr liebe - Themen, bei denen man richtig etwas dazulernen kann. Z.B. über den damaligen Handel mit Teakholz und Kautschuk. Sinnvollerweise enthält das Buch am Ende auch ein Glossar mit den wichtigsten birmanischen Bezeichnungen, die im Buch vorkommen. Die Handlung reicht bis in unsere Zeit hinein und beleuchtet auch ein wenig den Freiheitskampf der Birmesen. Dabei ist das ganze so interessant und packend geschrieben, daß ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte, weil ich einfach wissen wollte, wie es mit den Figuren des Romans weiterging. Ein toller Roman, den ich wärmstens empfehlen kann.
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99.0 Der Glaspalast
Sich der Vergangenheit zu bedienen, um die Gegenwart zu rechtfertigen, ist schlimm genug, aber genauso schlimm ist es, sich der Gegenwart zu bedienen, um die Vergangenheit zu rechtfertigen.
Aus: Amitav Ghosh: Der Glaspalast
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14.1.03

98.2 Sofia und Anders  fünf Sterne

Mit "Sofia und Anders" ist Marianne Fredriksson wieder ein großer Roman gelungen. Bisher hat mir persönlich "Hannas Töchter" von ihr am besten gefallen, doch "Sofia und Anders" hat nach meinem Geschmack deisen Roman noch getoppt. Eine gewaltige Geschichte erzählt Fredriksson hier, eine Familiengeschichte, die in ihrer Wuchtigkeit, ihren Mythen und Schatten teilweise fast den Atem nimmt. Es fiel mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen - was ich aber natürlich doch mehrmals tun mußte - und wollte unbedingt wissen, wie die Geschichte und die Figuren sich weiter entwickeln würden. Wie sich Geheimnisse und Verdrängtes auf die menschlich Psyche und Seele auswirken können und sich auch auf nachfolgende Generationen übertragen können, legt Fredriksson überzeugend und erschütternd da. Anrührend, wie die Figuren des Romans, die mit ungeheuren Problemen zu kämpfen haben und teilweise psychisch stark angeschlagen sind, dabei beeindruckende Persönlichkeiten bleiben, die eine ungeheure Stärke an den Tag legen und damit auch ein Zeugnis dafür ablegen, wozu der Mensch, seine Seele und Psyche fähig sind, vor allem aber die Liebe und das Mitgefühl. Die Figuren dieses Romans prägen sich ein und bleiben im Gedächtnis. Gleichzeitig ein ungeheuer mutmachendes Buch, eines, das Hoffnung macht und ein Plädoyer für Ehrlichkeit und menschlichen Zusammenhalt. Wunderbar erzählt!
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13.1.03

98.1 Sofia und Anders
"Ich fahre seit dreißig Jahren zur See. Als ich jung war, war das Meer sauber und die Welt schön, frisch und lebendig. Jetzt ist überall Dreck, im Kielwasser schwimmen tote Fische, eine Tierart nach der anderen verschwindet. Mein Gott, Sie sollten den Persischen Golf sehen. Oder die Einfahrt nach Rio. Oder die Delaware-Mündung, in der es keinen Lachs mehr gibt, da sieht es verdammt beschissen aus, und die Wale sind schon seit langer Zeit verschwunden. Schauen Sie sich in Ihrer eigenen Stadt um, sehen Sie diese verfluchten Tankstellen, die breiten Straßen, den Autoverkehr, der die Luft auffrisst. Und den Wald, der stirbt. Schauen Sie sich um, und gehen Sie anschließen nach Hause und waschen Ihre Hände in Unschuld. Versuchen Sie, sie sauber zu kriegen, dass Sie sich einbilden können, es sei ja nicht ihr eigener Geiz, der die wesentliche Ursache für diese neue schreckliche Welt darstellt. ...
Jetzt fahren die Tanker bald unter Piratenflagge mit asiatischer Mannschaft, die sich einen Scheißdreck um die Umweltprobleme der westlichen Welt kümmert. Ich verstehe sie gut, sie haben viele Gründe, Rache nehmen zu wollen. Aber Sie hier sind es, die daran verdienen werden, der Ölpreis wird sinken, und Sie können sich in die Schlange an den Tankstellen einreihen, die ihre Preise um ein paar Öre pro Liter senken werden. Es gibt das Risiko, daß der Ölteppich in Ihrem Wasser sich ausbreiten wird. Aber zwischen beiden Ereignissen sehen Sie keinen Zusammenhang, niemand sieht den Zusammenhang, der ein so reines Gewissen hat."
Aus: Marianne Fredriksson: Sofia und Anders
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98.0 Sofia und Anders
"Frauen sind nicht recht gescheit", sagte er.
"Das stimmt", sagte sie. "Wenn Frauen gescheit wären, würde die Welt stehen bleiben."
Dann sah sie lange Zeit ihren Mann an, bevor sie fortfuhr: "Und deshalb sind fast alle Frauen wütend."
Aus: Marianne Fredriksson: Sofia und Anders
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12.1.03

Fernseh-Tips
Heute 15.15 Uhr im ZDF Jostein Gaarders: "Sofis Welt" und
heute 20.15 Uhr auf Pro7 John Irvings: "Gottes Werk und Teufels Beitrag" - darauf freu ich mich schon seit ich gesehen habe, daß es heute läuft und das ist ungefähr 2 Wochen her.
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