Archiv 2002
22.12.02 - 28.12.2002
27.12.02 26.12.02 24.12.02
Ester und Gemma sind Freundinnen von Kindesbeinen an. Gemeinsam durchstehen sie die Schulzeit, die Zeit der Pupertät, der ersten Discobesuche und Krisen. Ester, die starke, Gemma, die schwache. So scheint es. Dann brechen sie auf zu einer Indienreise, voller Erwartungen und Träume. Doch kaum in Indien angekommen, nehmen die Dinge eine gänzlich unerwartete Wendung und für Ester gerät die Welt ins Wanken, wird die langjährige Freundin zu einem völlig fremden Wesen und schließlich kommt es zur Katastrophe. Die ganze Geschichte wird im Rückblick im Buch hauptsächlich von Ester erzählt, aber auch Gemma kommt ab und an zu Wort. Der Leser erlebt mit, wie eine scheinbar festgefügte und sturmerprobte Freundschaft in den Grundfesten erschüttert wird und sich die Verhältnisse völlig auf den Kopf stellen. Ich glaube es ist ein sehr realistisch geschriebenes Buch, was die Beziehung von Menschen angeht. Was man sicher glaubt, kann sich schnell als leicht zu erschüttern zeigen und mancher hat schon geglaubt, er kenne jemanden durch und durch, nur um dann festzustellen, wie sehr er sich geirrt hatte. Es ist auch ein brutales Buch, so wie das Leben brutal sein kann. Nicht so sehr von der Handlung selbst her, aber eben wie sich die Dinge entwickeln, erbarmungslos und auch mit welcher Erbarmungslosigkeit Menschen miteinander umgehen können. Das Ende des Romans war für mich relativ früh vorhersehbar, was etwas Spannung heraus nahm, aber wie schon angemerkt, der Reiz und das Besondere dieses Romans liegen eher in den Schilderungen der zwischenmenschlichen Ebenen.
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88.0 Das Kuckuckskind 
Wer Nordland-Sagas mag, der wird mit diesen beiden Romanen seine Freude haben. Sie erzählen das Leben der Ingunn von Grönland im 15. Jahrhundert, das sie zunächst nach England und dann schließlich Norwegen führt, wo sie und ihre Familie in die Machtkämpfe zwischen Dänen, Schweden und Norwegern hineingezogen werden, ohne, daß sie das eigentlich wollen. Die Saga hat alles, was man von einer solchen Saga erwartet und zeichnet ein lebendiges Bild jener ereignisreichen Epoche in Skandinavien.
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Dieser Roman ist in Amerika mit dem begehrten Edgar Allan Poe-Preis als bester Kriminalroman des Jahres ausgezeichnet worden, was meine Erwartungen natürlich hochschraubte. Es hat dann aber doch ein Weilchen gedauert, bis ich mich in den Roman eingelesen hatte, doch je länger ich las, desto besser wurde das Buch. Hilfreich für mich, daß mir Tibet, seine Geschichte und seine religiösen Gebräuche relativ bekannt waren. Wer davon überhaupt keine oder nur wenig Ahnung hat, wird sicher etwas Mühe haben, die Zusammenhänge und dem Lauf der Geschichte zu folgen. Faszinierend, wie Pattison hier die Welt Tibets und zwar nicht nur die politischen Zustände sondern vor allem auch die spirituellen erstehen läßt und dem Leser vor Augen führt. Die Vermischung des Spirituellen mit dem Alltag wird anschaulich in die Geschichte eingewoben, der Kampf der Tibeter für ihr kulturelles und religiöses Erbe, der Kampf der Mönche und ihre Versuche die religiösen Dinge und Bräuche, die zerstört wurden, doch für zukünftige Generationen zu bewahren, dazu dann die Chinesen mit ihrer Politik, das alles verknüpft Pattison gekonnt zu einer Geschichte, von der man sich durchaus vorstellen kann, daß sie so in Tibet stattfinden könnte. Der Häftling Shan, der nicht einmal genau weiß, warum genau er in Ungnade fiel und nach Tibet verbannt wurde, war früher Polizist und als eine enthauptete Leiche gefunden wird, soll er den Fall aufklären. Relativ schnell wird von offizieller Stelle ein Verdächtiger präsentiert, ein Mönch, von dem jedoch fast jeder weiß, daß er nicht der Täter sein kann. Shan, der nicht weiß wem er trauen kann und wem nicht und der zudem unter enormem psychischen und Zeitdruck steht, ermittelt mit den bescheidenen Mitteln die ihm zur Verfügung stehen und entdeckt schier unglaubliches. Spannend und hochinteressant fand ich diesen Roman, vor allem wegen der Schilderungen der spirituellen Welt in Tibet.
Ich hoffe, es dauert nicht mehr so lange, bis "Das Auge von Tibet", der zweite Roman um den Ermittler Shan, als Taschenbuch erscheint.
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