Archiv 2002
15.12.02 - 21.12.2002


19.12.02

85.0 Der Verführer  drei Sterne

"Der Verführer" ist der erste Band einer Trilogie um den fiktiven norwegischen Medienstars Jonas Wergeland. Zu Beginn glaubt man in einem Krimi zu sein, denn Wergeland findet von einer Reise zurückkehrend seine Frau ermordet vor. Doch der eigentliche Roman beschreibt was ihm daraufhin an Gedanken, Erinnerungen und Rückblenden auf sein Leben in den Sinn kommt. Am Ende des Romans greift er dann zum Hörer, um die Polizei zu verständigen. Eine äußerst ungewöhnliche Idee und so prall wie das Leben sein kann, so kommen auch die Themen daher, die der Roman berührt und teilweise nur streift, teilweise aber auch wie in Essays behandelt. Alle möglichen Bereiche des Lebens aber auch die Medien, die Wissenschaft, u.a. werden eingebunden, doch immer verknüpft mit Norwegen und dem Leben dort. Für das Verständnis des Buches ist es sicher für den Leser sehr hilfreich, wenn er über ein gewisses Grundwissen über Norwegen, seine Geschichte und herausragenden Figuren, etc. verfügt. Das wird aber vermutlich bei vielen Lesern nicht unbedingt der Fall sein, so daß manche Zusammenhänge gar nicht begriffen werden können. "Der Verführer" ist ein Roman, der einen gewissen langen Atem und Geduld erfordert und das obwohl er rein zeitlich ja nur eine sehr kurze Zeitspanne umfaßt. Und immer wieder kreist alles um die Frage: "Wie also hängt ein Leben zusammen". Das Fazit zu dem Wergeland kommt ist, daß es so etwas wie einen "roten Faden" im Leben nicht gibt. Auf mich hatte der Roman eine ganz eigentümliche Wirkung, die ich schwer in Worte fassen kann. Einerseits faszinierend dann aber auch durchaus seine Längen habend. Ob ich die Folgebände auch noch lesen werde, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht.
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17.12.02

84.1 Die Keltennadel  vier Sterne

Ein Krimi und Roman, der es - meiner Meinung nach - durchaus in sich hat, aber leider etwas zuviel von allem. Was die im Roman eingefügten Informationen über apokalyptische Szenarien, Endzeitbewegungen und -sekten angeht - wobei dabei natürlich auch immer der Bezug in die Vergangenheit vorhanden ist - fand ich sehr interessant, teilweise gut recherchiert und zu einer durchaus denkbaren Geschichte verwoben. Man denke nur an die Ereignisse um "Heavens Gate" oder die "Aum-Sekte". Trotzdem fährt der Autor meiner Ansicht nach teilweise etwas zuviel von allem auf. Besonders auch was die Beschreibung der Morde bzw. Mordversuche im Buch angeht. Sicher, es ist ein Psychopath am Werk, aber mir persönlich war das ganze doch eine Nummer zu blutig und brutal und ausführlich beschrieben (und ich bin was das angeht eigentlich nicht so zartbesaitet). Wenn die Thematik an sich, die den Hintergrund zu diesem Roman bildet, für mich nicht so hochinteressant gewesen wäre, hätte ich daher dem Roman auch nur 3 Sterne gegeben. So bekommt er vier und wäre er weniger "blutig", hätte ich die 5 Sterne zumindest ernsthaft erwogen.
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15.12.02

84.0 Die Keltennadel

Er überlegte oft, dass man sich alle Menschen, die man gut kannte, tote oder lebende, ins Gedächtnis rufen und in seiner Fantasie vorbeiziehen lassen konnte, jeden für ein oder zwei Sekunden, in denen nur kurz ihre Züge aufblitzten. Tatsächlich kamen sie oft ungebeten. Wie oft am Tag marschierte einem ein Teil dieser Prozession durch den Sinn? Und doch dauerte es nur ein, zwei Generationen, bis diese geisterhafte Gesellschaft in keiner Erinnerung mehr existierte. So wie das Abbild eines Lichtblitzes auf der Netzhaut immer schwächer wird, bis er ganz verschwunden ist. Im Gedächtnis der anderen gibt es keine Unsterblichkeit.
Aus: Patrick Dunne: Die Keltennadel
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