Archiv 2002
17.11.02 - 23.11.2002


22.11.02

77.2 Der Geschichtenverkäufer  drei Sterne

Ein neuer Gaarder, dachte ich und schlug zu. "Der Geschichtenverkäufer" ist ein eigentümlicher, sehr phantasiereicher Roman, der aber "anders" klingt, als die bisherigen Gaarder-Romane. Die Hauptfigur, der Geschichtenverkäufer, aus dessen Sicht, der Roman erzählt wird, eine Figur, die unweigerlich Interesse weckt, weil sie so "anders" ist, mit einem ungewöhnlichen Blick auf die Welt, die Menschen und den Literaturbetrieb. Ungewöhnlich auch die Idee von Gaarder, als Autor solch eine Geschichte über den Literaturbetrieb zu schreiben. Als Leser fühlte ich mich ständig zu Überlegungen verführt, ob so etwas, wie im Roman beschrieben, in der Realität möglich ist/wäre. Im Grunde erscheint mir auch die Idee des Geschichtenverkäufers, gar nicht so undenkbar und unsinnig. Die eigentliche Lebensgeschichte des Geschichtenverkäufers selbst fand ich persönlich weniger interessant und auch die "Auflösung" wie es dazu kam, daß der Geschichtenverkäufer der wurde, der er wurde, erscheint mir eher zweitrangig. Die eingestreuten "Synopsen" dagegen, fand ich wieder sehr interessant. Ja, es ist ein Gaardner - ungewöhnlich, phantasiereich und auch wieder etwas philosophisch - aber ein "anderer" Gaardner als wir ihn auf dem deutschsprachigen Sektor bisher kannten.
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21.11.02

77.1 Der Geschichtenverkäufer

Außerdem schreibt inzwischen alle Welt Romane. Romane werden von Einfaltspinseln geschrieben; eines Tages wird es üblich sein, Romane zu schreiben, wie es früher üblich war, sie zu lesen.
Aus: Jostein Gaarder, Der Geschichtenverkäufer
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77.0 Der Geschichtenverkäufer

Die Elite unter den Anglern geht sogar noch weiter und wirft den Fisch zurück ins Wasser. Man angelt schließlich nicht, um ein paar Kronen im Haushaltsbudget zu sparen. Bei der catch an release-Angelei geht es ausschließlich ums Vergnügen. Angeln als raffiniertes Spiel, als edle Kunst betrachtet. Ich muß dabei an Ernst Jünger denken. In einem seiner Kriegstagebücher schreibt er, wir sollen nicht traurig sein, wenn uns ein Gedanke entschlüpft. Dieser Gedanke sei wie ein Fisch, der vom Haken springt und in der Tiefe verschwindet, um eines Tages wohlgenährt wieder aufzutauchen ... Wenn wir ihn dagegen an Land ziehen, ihn ausnehmen und in einen Plastikeimer werfen, ist für ihn jede weitere Entwicklung beendet.
Aus: Jostein Gaarder, Der Geschichtenverkäufer
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20.11.02

76.0 Das zweite Königreich  vier Sterne

Rebecca Gablè hat nach "Das Lächeln der Fortuna" mit diesem Roman einen zweiten "Historienschinken" vorgelegt. Nach schon im ersten Buch bewährter Manier entwirft sie einen großen Bilderbogen aus der Zeit, als der normannische Wilhelm der Eroberer England erobert und versucht sein Königreich zu festigen. Hauptperson ist Caedmon, der in England als Sohn eines Engländers und einer Normannin aufwächst, dann in die Normandie geschickt wird und so langsam aber sicher in die geschichtlichen Entwicklungen hineingezogen wird. Das "Rezept", das schon den ersten Roman von Rebecca Gablè zu einem Erfolg hat werden lassen, funktioniert auch hier wieder. Schade nur, daß ich beim Lesen aufgrund der Umstände hier immer wieder größere Pausen einlegen mußte. Man findet zwar problemlos und schnell wieder in die Geschichte aber es ist hart das Buch aus der Hand zu legen und tageglang nicht zum Weiterlesen zu kommen. Ich muß allerdings sagen, daß mir persönlich "Das Lächeln der Fortuna" noch ein wenig besser gefallen hat, aber der Unterschied ist wirklich nicht allzu gravierend.
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