Archiv 2002
13.10.02 - 19.10.2002
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Der 1962 in Kabul geborene Atiq Rahimi hat mit "Erde und Asche" seinen ersten Roman vorgelegt. Ein schmales Büchlein, dessen Inhalt aber schwer wiegt. Es geschieht nicht viel in diesem Roman. Ein alter Großvater ist mit seinem bei einem Bombenangriff auf ihr Dorf ertaubten Enkel auf dem Weg zu seinem Sohn - dem Vater des Enkels - der fern vom Heimatdorf in einer Mine arbeitet und Geld für die Familie verdient, um diesem zu eröffnen, daß die ganze Familie aus ihnen dreien durch den Bombenangriff ausgelöscht worden ist. In der Hauptsache schreibt Rahimi über den Seelenzustand des Großvaters, seine Gefühle und Gedanken, seine Hoffnungen und seine Ängste, seine Sorgen um Sohn und Enkel. Das in einer unglaublichen Sprache - karg und zugleich kraftvoll, manchmal fast poetisch, deren Bilder sich ins Gedächtnis einprägen und die Sinnlosigkeit des Krieges verdeutlichen. Ein Buch, das berührt und nachdenklich macht.
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... dass das Gesetz des Krieges das Opfer ist. Entweder trägst du Blut an der Kehle oder an den Händen...
Die Logik des Krieges ist das Opfer. Da gibt es kein weshalb. Was zählt, ist seine Durchführung, nicht die Gründe oder Folgen!
Aus: Atiq Rahimi, Erde und Asche
69.0 Das Gesetz der Lagune 
Endlich ein neuer Roman von Donna Leon um ihren sympathischen Commissario Brunetti. Ein Fischerboot gerät in Brand und sinkt im Hafen einer der Inseln in der Lagune. Als man nachforscht, entdeckt man den Fischer und seinen Sohn tot im Boot. Schon bald zeigt sich, die beiden sind ermordet worden. Die Ermittlungen gestalten sich äußerst schwierig, da die einheimischen Fischer eine eingeschworene Gemeinschaft sind, die einem Fremden gegenüber nichts über ihre Geheimnisse preisgeben. Signora Elletra beschließt ihren Urlaub bei ihrer Kusine in diesem Dorf zu verbringen und dabei unauffällig Informationen zu sammeln. Ein junger Polizist wird ebenfalls undercover eingeschleust. Und Brunetti versucht mit den ihm zur Verfügungen stehenden Mitteln die Ermittlungen fortzusetzen und voranzutreiben. Dann plötzlich eskaliert die Situation und es kommt zu einem großen Finale, an dessen Ende es Tote und Verletzte gibt.
Sicher einer der "actionreichsten" Romane (zumindest zum Ende hin) in der Reihe, der zudem eindrücklich die Welt und soziale Abgeschlossenheit der Fischer von Pellestrina nachzeichnet und dem Leser vermittelt.
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Ein Roman, dessen Beschreibung viel versprach, aus meiner Sicht jedoch wenig bis gar nichts davon hielt. Zusammengesetzt aus einer Reihe von philosophischen und theologischen Versatzstücken, eine verworrene Geschichte, deren Auflösung abrupt und seltsam gewöhnlich daherkommt. Der Roman hat bei seinem Erscheinen in Italien für Furore gesorgt und wurde sogar mit dem Premio Baguta ausgezeichnet. Ehrlich gesagt, ist das für mich nicht nachvollziehbar, aber es kann natürlich sein, daß das Buch im tiefkatholischen Italien ganz anders gelesen und aufgenommen wird, als in anderen Ländern. Für meine Begriffe hätte man aus der Idee, die hinter der Geschichte steckt, viel mehr machen können. Schade, um die vertane Chance.
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