Archiv 2002
22.09.02 - 28.09.2002


28.9.02

63.3 Der Geschichtenmacher  vier Sterne

Hier erzählt einer eine Geschichte, wie sie das Leben zuweilen schreibt. Und er tut das auf eine Art und Weise, wie es nur ein wirklicher Erzähler kann. Er erzählt viele Varianten einer Geschichte oder viele Geschichten, die zu einer großen Geschichte zusammenfließen. Diese Geschichte erzählt das Leben einer schwedischen Familie, die versucht aus der Armut herauszukommen, Anteil zu haben am wirtschaftlichen Aufschwung Schwedens nach dem Krieg. Eine Familie, in der geliebt und gelacht wird, in der Bücher und Geschichten eine große Rolle spielen. Aber auch eine Familie, in der der Vater ein Trinker ist, und der wenn er betrunken ist, gewalttätig wird gegen seine Frau und Kinder. Johansson versteht es diese Geschichte so zu erzählen, daß man als Leser nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll, daß man beginnt zu ahnen oder zu verstehen, welche komplexen Abläufe eine solche Familie zusammenhalten oder am Ende doch zerbrechen lassen. Ein Roman, der in seinen Bann zieht, der berührt und der zudem autobiographisch ist. Kein Klagelied sondern eine Geschichte, wie sie das Leben zuweilen schreibt, mit all seinen Licht- und Schattenseiten.
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27.9.02

63.2. Der Geschichtenmacher

Wo immer Menschen sind, herrscht eine solche Vernichtung.
Aus: Kjell Johansson, Der Geschichtenmacher
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63.1. Der Geschichtenmacher

Ich habe einmal zu diesen Fanatikern gehört, die immer alles, aber auch alles wissen und verstehen wollen. Inzwischen kenne ich diesen heißen Wunsch nicht mehr. Menschen tun Unbegreifliches, ich bin bereit, das und die übrigen Rätsel des Lebens zu akzeptieren.
Aus: Kjell Johansson, Der Geschichtenmacher
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26.9.02

63.0. Der Geschichtenmacher

Ein Besuch in der Bibliothek gibt einem ein Feiertagsgefühl, während man gleichzeitig eine große Freude - oder ist es Glück? - verspürt. Sicher war es Glück, was wir empfanden, als wir vorsichtig in der Bibliothek umherwanderten, ausschwärmten und jeder für sich eine Andacht hielten, bei C oder Dg, manchmal in den Gängen wieder zusammentrafen, bei Hc oder Hce. Dann lächelten wir einander an, ohne ein Wort zu sagen, denn hier herrschte Stille, eine gute Stille, und um die waren alle besorgt. ...
In der kleinen Bibliothek war die ganze Welt in Worten zusammengefaßt, alles Wissen, das ein Mensch nur brauchen konnte, stand hier direkt vor seiner Nase in den Büchern, die einem zwar den Rücken zuwandten, aber nicht aus Hochmut, sondern damit möglichst viele von ihnen Platz in den Regalen fanden. Hier konnten wir und andere, die ihre Abendstunden hier verbrachten, alles finden, was wir uns wünschten. Und es war möglich, ja, sogar wahrscheinlich, daß auch jemand, der seine Sehnsüchte gar nicht kannte, sie hier finden würde, von einem Titel verlockt, den Aufzeichnungen eines Jägers, oder von einer anderen mystischen Kraft getrieben, das Buch gerade auf jener Seite aufzuschlagen, auf der ein Morgen graute und alles zum Leben erwachte.
Aus: Kjell Johansson, Der Geschichtenmacher
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24.9.02

62.0. Supertex  zwei Sterne

Leon de Winter, wenn mir dieser Name bisher unterkam, dann meistens begleitet von positiven Meinungsäußerungen über seine Romane. Das machte mich neugierig und so hab ich mir "SuperTex" besorgt, um endlich auch mal ein Buch von de Winter zu lesen. Leider konnte mich der Roman überhaupt nicht überzeugen. Max Breslauer, Sohn eines KZ-Überlebenden und erfolgreichen Geschäftsmanns, gerät in eine Sinnkrise, sucht eine Therapeutin auf, erzählt dieser während eines einzigen Tages die Geschichte seines Lebens - samt der Personen, die darin eine besondere Rolle gespielt haben bzw. noch spielen - und kommt am Ende rein zufällig darauf, was vermutlich der Sinn seines Lebens ist. Sicher, mancher Einblick in die Traditionen des jüdischen Lebens mag für Leser, die sich darin nicht auskennen, interessant sein aber ansonsten fand ich den Roman eher enttäuschend.
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23.9.02

61.0. Im Zeichen der Schlange  fünf Sterne

Wow! Was für einen Krimi hat Michael Larsen hier vorgelegt! Spannend bis zum Ende, rasant mit vielen Wendungen und Windungen. Interessanten Figuren und auch wissenschaftlich gesehen hoch interessant. Sicher, wer mit den Wissenschaften, in der Hauptsache der Physik (Quantenphysik z.B.) nichts anfangen kann, der wird das Buch vielleicht enttäuscht zur Seite legen, weil er nicht viel versteht oder ihm das ganze zu theoretisch wird. Aber wer sich dafür interessiert bzw. zumindest mal einen Ansatz von Ahnung gewinnen möchte, der wird mit diesem Buch seine helle Freude haben, denn der Autor legt ganz nebenher eine philosophische Betrachtung der modernen Wissenschaft vor. Wer demnächst einen Australienurlaub plant, der wird diese Planung unter Umständen nach der Lektüre dieses Buches nochmal überdenken oder sich wesentlich vorsichtiger durch das Land bewegen, denn das Buch vermittelt einen lebhaften Eindruck davon, wieviel hochgiftige Schlangen und Spinnen sich in diesem Land bis in die Städte hinein aufhält. Und der eigentliche Krimi, packt einen so, daß man das Buch kaum noch aus der Hand legen mag. Auf jeden Fall ein Krimi, der aus der Masse herausragt.
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