Archiv 2002
08.09.02 - 14.09.2002


14.9.02

56.0. Willkommen in Kilanga  vier Sterne

Willkommen in Kilanga ist ein rundum toller und gelungener Roman. Barbara Kingsolver ist es gelungen ein sehr authentisches Bild von Afrika, speziell dem Kongo (Zaire), zu beschreiben. Vieles hat mich an meine eigene Zeit in Afrika erinnert. Auch die Geschichte der Missionarsfamilie Price, die auf der einen Seite an Afrika scheitert, auf der anderen Seite aber auch nicht mehr davon loskommt, erzählt sie ungeheuer realistisch. Gut gefallen hat mir auch, wie Kingsolver die Geschichte und politischen Entwicklungen im Kongo des 20. Jahrhunderts mit eingeflochten hat. Positiv zu vermerken ist auch der Ton, in dem erzählt wird, trocken, manchmal lakonisch, realistisch und liebevoll und teilweise mit einem Humor, der mich mehr als einmal laut auflachen ließ.

Hintergrundinformationen über Barbara Kingsolver finden sich hier.
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13.9.02

Fernsehtip

Leider erst mitten in der Nacht um 1.20 Uhr zeigt das ZDF "Hotel New Hampshire" von John Irving. Also entweder lange aufbleiben, oder vorschlafen, dann aufstehen und gucken oder aber aufzeichnen. :)
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55.0. Schutzfaktor Null  drei Sterne

Ein rasanter Action-Krimi, den man gut mal eben zwischendrin lesen kann. Das schwedische Ehepaar Esser macht Urlaub auf Gran Canaria und wird ehe es sich versieht in einen blutigen Anschlag verwickelt. Die Angreifer nehmen das Ehepaar und andere Touristen als Geiseln mit und es beginnt eine wilde Verfolgungsjagd, die nur den Auftakt bildet zu einem wahren Albtraum, als Göran schließlich herausfindet, daß der Anschlag nur der Auftakt zu einem erneuten Putsch gegen die spanische Regierung und Demokratie. Auch der Geheimbund Opus Dei hat seine Finger mit im Spiel und es scheint so, als ob niemand die Katastrophe aufhalten kann und als ob es auch für Göran und seine Frau keine Rettung gibt. Spezieller Tip: Vielleicht während eines Gran Canaria-Urlaubs lesen. ;o)
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12.9.02

54.3. Amrita  zwei Sterne

Auf Amrita, den umfangreichsten bisher auf deutsch vorliegenden Roman von Banana Yoshimoto, hab ich mich nachdem ich von den bisher von ihr gelesenen Romanen begeistert war, besonders gefreut. Doch Amrita hat mich überhaupt nicht fesseln können. Zu verwirrend, zu versponnen und vielleicht auch ein bißchen ein Ermüdungseffekt, was die Elemente angeht, die die ersten Bücher von ihr für mich noch interessant machten. Hier und da gibt es Teile die eingängiger sind, aber alles in allem hat mich dieser Roman leider nicht überzeugen können. Positiv zu vermerken ist, daß in diesem Roman endlich mal die japanischen Begriffe die im Roman verwendet sind, erklärt werden, was sehr zum Verständnis hilft.
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54.2. Amrita

Wenn Menschen sich die ganze Zeit in ihren sicheren vier Wänden aufhalten, dann werden sie irgendwann vom Haus einverleibt wie Möbelstücke.
Man kann ihnen manchmal in der Stadt begegnen: Menschen mit Hauskleidern oder Hausgesichtern, obwohl sie sich draußen aufhalten. Abgespannten, schlaffen Menschen, die einem nicht in die Augen sehen, die ausdruckslos und schreckhaft sind. Menschen, denen das Wilde in ihren Augen verloschen ist. Aus: Banana Yoshimoto, Amrita
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11.9.02

54.1. Amrita

Es ist nur das Andenken an ihr freundliches Antlitz, das uns die Toten in unseren Herzen hinterlassen.
Aber sie selbst sind nicht da, und deshalb wirken sie noch weiter weg als die Vergangenheit, obwohl sie doch ein Teil davon sind. Sie winken. Sie lachen. Aber man kann sie nicht richtig erkennen.
Aus: Banana Yoshimoto, Amrita
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54.0. Amrita

Ein wahres Wunder, daß dieses Ding [der Mensch], zerbrechlich wie ein rohes Ei, auch heute wieder unversehrt durchs Leben gekommen ist und funktioniert hat, daß all die Leute, die ich kenne, die ich liebe, auch den heutigen Tag wieder unbeschadet über die Runden gebracht haben, obwohl sie ständig mit unzähligen Instrumenten umgehen, mit denen sie sich ohne weiteres kaputtmachen könnten... Seit ich diesen Gedanken das erste Mal gedacht habe, bekomme ich ihn einfach nicht mehr aus dem Kopf. Aus: Banana Yoshimoto, Amrita
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53.0. Wer Rache schwört  drei Sterne

Wieder mal ein Krimi aus der Kate Martinelli-Serie von Laurie R. King. Diesmal geht es gewalttätigen Männern an den Kragen. Alles fängt mit den Aktionen der "Schwestern der Allwährenden Verbitterung" an, die sich gewalttätige Männer vornehmen und in peinlicher Lage der Öffentlichkeit präsentieren - sozusagen als Abschreckung. Doch dann gibt es einen ersten Toten, dem bald weitere folgen. Sind die Schwestern in einen Blutrausch verfallen oder gibt es einen Serienmörder, der sich als Trittbrettfahrer angehängt hat. Langsam aber sicher führen die Ermittlungen zu Kate Martinellis Freundin Roz, die sich in der Frauenbewegung stark engagiert und sich auch in einem Frauenhaus engagiert und zudem eine Dissertation zum Thema der Zorn der Frauen schreibt. Wieder ein überaus spannender Krimi in dem es diesmal wieder mehr um den Fall selber geht, als um das Verhältnis zwischen Kate Martinelli und ihrer Lebensgefährtin Lee. Mir hat "Wer Rache schwört" gut gefallen, trotzdem ist es eher einer der schwächeren Krimis in dieser Reihe. Liegt vielleicht aber auch daran, daß ich dieses Jahr schon mehrere Krimis gelesen habe, in denen es um dieselbe Thematik ging. Unter diesen war Laurie Kings Krimi allerdings der beste.
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9.9.02

52.0. Das jüngste Gericht  drei Sterne

Man nehme einen Gelehrten und seinen Gehilfen im Mittelalter, lasse sie im tiefsten Winter während eines Schneesturms in einem Wirtshaus stranden. Dazu einen Gast, der plötzlich eine Leiche ist und jede Menge Figuren, die scheinbar alle etwas zu verbergen haben und von denen jeder als Täter in Frage kommen könnte. Mische das ganze mit religiösen, wissenschaftlichen, politischen und philosophischen Gedanken des Mittelalters und heraus kommt ein solider und durchgehend spannender Krimi, bei dem die Leser genauso herumrätseln wie Thomas von Boueberge, bis der Mörder schließlich entlarvt werden kann. Die letzten Puzzlestücke fallen allerdings erst lange nach dem Tod von Thomas von Boueberge an ihren Platz als Petter Hortten, sein Gehilfe, die Geschichte jenes Dezembers für seinen Herzog aufschreibt.
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