Archiv 2002
25.08.02 - 31.08.2002


29.8.02

49.0. Gelber Kaiser  vier Sterne

Raymond Scofields "Gelber Kaiser" ist mal wieder ein Roman ganz nach meinem Geschmack! China - bzw. eine machtbesessene Verschwörerclique in den obersten Rängen - schickt sich an Taiwan "heimzuholen". Das Komplott nennen sie "Gelber Kaiser". Der amerikanische CIA soll in großem Stil getäuscht werden, indem man Amerika vorgaukelt, man wolle gegen die Mongolei losschlagen. Gleichzeitig wird in Rückblenden das Leben von drei Generationen der Missionarsfamilie Farlane erzählt, angefangen vom Großvater, der eben als Missionar in China tätig war bis hin zum Sohn und Enkel, die in der Gegenwart des Romans auf seltsame Weise mit den chinesischen Figuren des Romans verbunden ist. Das Finale des Romans ist spannend, temporeich und überraschend. Ein Buch, daß ich ungern aus der Hand gelegt habe, als ich es durchgelesen hatte. Eigentlich hat es viereinhalb Sterne verdient.
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28.8.02

Tolstois Nachkommen

1862 heiratete Graf Lew Tolstoi Sofja Andrejewna, die Tochter eines Moskauer Kremlarztes. Fast ein halbes Jahrhundert lebten die beiden zusammen und hatten 13 Kinder. Zum 140. Jahrestag ihres Hochzeitstages trafen sich nun etwa 100 ihrer Nachkommen im Gutshof Jasnaja Poljana.
Außerhalb Russlands - in Schweden, Deutschland, den USA, Frankreich oder Italien - leben heute die meisten der etwa 300 Kindeskinder Lew Tolstojs (1828 - 1910). Die älteste Nachkommin, Enkelin Tatjana Lwowna Tolstaja-Paus, ist 87 Jahre alt, der jüngste Spross Sascha ist erst zwei. Es gibt keine Schriftsteller unter ihnen, doch dafür Schauspieler, Maler, Juweliere, Ärzte, Manager und Landwirte.
Heute sprechen die Nachfahren des Dichters kaum noch Russisch, die Romane ihres berühmten Ahnen lesen sie in der Übersetzung. Anfang August waren die meisten von ihnen zum ersten Mal nach Russland gekommen. In Jasnaja Poljana wollten sie nicht nur ein großes Familienfest feiern und ihre Verwandten kennen lernen, sondern auch den Landsitz von Lew Tolstoj unterstützen. Jasnaja Poljana, wo der Schriftsteller auch begraben ist, liegt nahe Tula, etwa 250 Kilometer südlich von Moskau. Das Geburtshaus Tolstojs gibt es nicht mehr, aber sein gemütliches kleines Wohnhaus steht noch. Ansonsten wirkt die Szenerie wie vor hundertfünfzig Jahren - die Lieblingsbank Tolstojs, der große Apfelbaumgarten, die schattige Ulmenallee, die Teiche, der Pferdestall. Trotz Belagerung und Zerstörung von Jasnaja Poljana durch deutsche Truppen während des Zweiten Weltkrieges konnte dieses Idyll bewahrt werden.
Den Gutshof hatte der Urgroßvater von Lew Tolstoj - Fürst Sergej Wolkonskij - im 17. Jahrhundert gekauft. Später wurde noch Land hinzugekauft. Der Schriftsteller ist laut einer Urkunde im Jahre 1847 Eigentümer von Jasnaja Poljana geworden. Hier haben er und seine Frau Sofja drei Töchter und fünf Söhne aufgezogen. Fünf Kinder waren leider in ihren Kinderjahren schon gestorben. Zwei Kilometer von dem Haus entfernt, ruhen viele ihrer Vorfahren und Verwandten.
Noch zu Lebzeiten der Tolstoj-Witwe, im Jahre 1921, haben die Bolschewiken Jasnaja Poljana zum Staatseigentum und Naturschutzgebiet erklärt. Der Gutshof wurde Museum, und die erste Leiterin war die jüngste Tochter des Schriftstellers, Alexandra Lwowna. Nach der Revolution sind die meisten Kinder und Enkel des Grafen ausgewandert. Darum hat der Schriftsteller heute im Ausland eine so große Nachkommenschaft, die sich nun einmal regelmäßig der Heimat ihres berühmten Verwandten trifft.
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25.8.02

48.0. Der Fledermausmann  vier Sterne

Harry Hole wird nach Australien geschickt, um dort bei den Ermittlungen um den Mord an einer jungen Norwegerin mitzuhelfen. Sein Partner wird der Aborigine Andrew. Die Ermittlungen führen sie in einen Sumpf von Drogenhandel und Zuhälterei, in die Welt der Schwulen und Transvestiten und ziemlich schnell wird klar, daß man es mit einem Serientäter zu tun hat. Zu Beginn hatte ich etwas Mühe, in die Geschichte hineinzufinden, doch dann gewinnt der Krimi an Geschwindigkeit und die Verwicklungen nehmen zu. Weitere Tote folgen, schließlich verliert Hole seinen Partner durch einen Selbstmord. Doch es wird immer klarer, die Dinge sind nicht, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Verdächtige tauchen auf, werden entlastet, wieder belastet, wieder entlastet und immer wieder tauchen neue Verdächtige auf. Immer schneller dreht sich das Rad der Ermittlungen, die Vermutungen, die Verdächtigungen und ehe Hole sich versieht ist er selber tief in die Ereignisse verstrickt. Das Ende ist ein großer Showdown in einem Aquarium. Ein Krimi, der mit dem Leser und dessen Vermutungen gekonnt spielt, der zugleich auch einen Einblick in die Welt Australiens, vor allem aber auch die Situation der Aboriginies eröffnet und der bis zum Schluß spannend bleibt.
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