Archiv 2002
18.08.02 - 24.08.2002


23.8.02

47.1. Solange du da bist  drei Sterne

Ein Buch, das man zu den Romanen zählen kann, die einem ans Herz gehen. Der schon früh verwaiste und zum Mann herangewachsene Arthur entdeckt eines Tages eine junge Frau in seinem Schrank, die ihm eine eigentlich unglaubliche Geschichte erzählt, wie sie dorthin gekommen ist. Nach anfänglichen Zweifeln läßt sich Arthur von ihr überzeugen, daß diese Geschichte stimmt und läßt sich darauf ein, ihr zu helfen. Sie liegt nämlich tatsächlich auf einer Intensivstation eines Krankenhauses nach einem Unfall im Koma und es ist nur ihr Geist, der sich bei Arthur eingefunden hat. Es entspinnt sich nach und nach eine Liebesgeschichte während sich die Situation schließlich dramatisch zuspitzt, als im Krankenhaus beschlossen wird, die lebenserhaltenden Geräte abzuschalten.
Eine interessante Idee liegt diesem Roman zugrunde. Die Geschichte der Hauptfiguren, und zwar beider, denn auch Arthurs Geschichte wird nach und nach enthüllt, ist bewegend. Mir persönlich ist die Person des Arthur allerdings etwas zu "gut". Alles in allem aber ein Roman, den man ungern aus der Hand legt, weil man wirklich gespannt ist, wie die Geschichte sich weiterentwickelt auch wenn man das Ende vorausahnt.
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47.0. Solange du da bist

"Verliere auf der langen Reise, die Dich erwartet, niemals Deine Kinderseele, vergiß nie Deine Träume. Sie sind es, die Dein Leben bewegen werden, sie werden der Geschmack und der Duft eines jeden Morgens sein. ...
Höre auf Deine innere Stimme, mein Junge, sei Deinem Gewissen und Deinen Gefühlen treu, lebe Dein Leben, Du hast nur eines. Von nun an bist Du für Dich selbst verantwortlich und für die Menschen, die Du lieben wirst. Sei aufrichtig, liebe, und bewahre Dir diesen Blick, der uns verband, wenn wir zusammen die Morgendämmerung erlebten.
Erinnere Dich an die Stunden, die wir gemeinsam damit zugebracht haben, die Rosen zu schneiden, den Mond zu betrachten, uns die Düfte der Blumen einzuprägen, den Geräuschen des Hauses zu lauschen, um sie zu verstehen. Das sind sicher einfache, manchmal altmodische Dinge, aber laß nicht zu, daß verbitterte oder hochmütige Menschen dem, der sie zu genießen versteht, diese magischen Augenblicke vergällen Es gibt einen Namen für solche Momente Arthur: "Erstaunen", und es liegt an Dir, ob Du Dir die Fähigkeit dazu Dein Leben lang erhalten wirst. Das ist der größte Reiz an der langen Reise, die Dich erwartet."
Aus: Marc Levy: Solange du da bist
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22.8.02

46.1. Weißer Oleander  drei Sterne

Ein Roman über die Suche nach der eigenen Identität. Astrid wächst allein bei ihrer Mutter auf, ihren leiblichen Vater hat sie nie kennengelernt. Das Mutter-Tochter-Gespann scheint unzerstörbar. Bis die Mutter einen Liebhaber tötet und dafür verurteilt und ins Gefängnis gesteckt wird. In den nächsten Jahren wird Astrid von Pflegefamilie zu Pflegefamilie weitergereicht.
Immer auf der Suche nach ihrer eigenen Identität, immer auf der Suche nach einem Platz, nach Liebe, nach einem Vater, einer Mutter. Sie sammelt ihre eigenen Erfahrungen, trifft Fehlentscheidungen, trifft richtige Entscheidungen und lernt mit den jeweiligen Folgen zu leben. Je älter sie wird, desto stärker wird auch ihr Bedürfnis, aus dem Schatten der Mutter, einer gefeierten Lyrikerin, herauszutreten, sich selbst zu definieren.
Das alles ist ungeheuer authentisch aber doch ohne unnötigen Schnickschnack erzählt. Manchmal fast brutal, aber immer realistisch. Am Ende muß Astrid endgültig entscheiden, ob sie dem kindlichen Bedürfnis nach einer Mutter, die sich um sie kümmert und einem geregelten abgesicherten Leben nachgibt, oder ob sie ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand nimmt und das Risiko eingeht auf eigenen Beinen zu stehen.
Als Leser fühlt man sich auf eine Odysee, die Kernfragen des Menschseins und Lebens berührt, mitgenommen. Man leidet mit Astrid, man freut sich mit ihr und verfolgt fasziniert, wie sie durch all das Schreckliche, was sie mitmacht, doch heranreift und ihren eigenen Weg findet.
Nicht unbedingt, die Art Roman, für die ich alles rund um mich vergesse, aber auf jedenfall beeindruckend genug, daß ich ihn nie als langweilig empfunden habe.
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18.8.02

46.0. Weißer Oleander

"Gedichte solltest du immer auswendig lernen", sagte sie. "Sie müssen zu deinem Knochenmark werden. Wie Fluor im Wasser machen sie deine Seele unempfindlich gegen die schleichende Karis der Welt."
Aus: Janet Fitch: Weißer Oleander
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