Archiv 2002
14.04.02 - 20.04.2002
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Maaru sprach auf ihren Anrufbeantworter eine kurze Mitteilung, wir hörten es mit, Hallo, ich hab meine Reise in die Himmelsrichtung der Angst begonnen, don't ask me where, don't ask me why, it's too close so far, wenn du magst, kannst du mir nach dem Signalton eine Nachricht hinterlassen.
Aus : Anja Snellman, Geografie der Angst
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23.3. Geografie der Angst
Maaru sagte oft: Nur die ersten dreißig Schläge unter die Gürtellinie spürt man.
Aus : Anja Snellman, Geografie der Angst
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Ich war für viele eine Gelegenheitsfreundin und akzeptierte das. Ich lernte es, in einer Freundschaft zu Besuch zu sein. Ich lernte es, pfeifend gleichsam auf der Durchreise zu sein. Ich lernte es, ein kühles Herz zu bewahren, nicht zu viel zu erwarten. Verschiedene Demütigungen und die Furcht vor Schande lauerten auch bei meinen Freundschaften immer im Hintergrund, und deshalb lernte ich meine Rolle gut und war auf meiner geölten Schwelle immer auf der Hut und vorsichtig.
Aus : Anja Snellman, Geografie der Angst
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Ein Buch, das mich schon auf den ersten Seiten dazu bringt, in Lexikas und im Internet nachzuforschen, das kommt auch nicht alle Tage vor. ;o) Der Anfang ist auf jeden Fall geschrieben wie eine Mischung aus reiner Erzählung und einer Reportage, ein Mix von wahrem und unwahrem, Namen werden erwähnt, von Personen die es tatsächlich gibt, die aber nicht gesagt oder geschrieben haben, was erwähnt wird oder umgekehrt, es werden Buchtitel und Artikel-Titel erwähnt, die es tatsächlich gibt, aber die Autorennamen stimmen nicht. Und dann stimmt wieder beides oder keins von beidem. Sehr ungewöhnlich, weckt aber umso mehr meine Aufmerksamkeit und mein Interesse. Wenn das allerdings so weitergeht, dürfte es länger dauern, bis ich das Buch durch habe, es sei denn ich verzichte darauf ständig nachzurecherchieren. ;o))
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23.0. Geografie der Angst
Nach Leena Lehtolainen, nun also die zweite finnische Kriminalautorin, der ich mich zuwende. Sie wird als eine der wortgewaltigsten finnischen Autorinnen gehandelt und ihre Romane haben bisher ein starkes Echo bzw. zum Teil hitzige Diskussionen in Finnland ausgelöst. Ich bin also gespannt, was da auf mich zukommt.
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Nach dem mich schon Helene Turstens Roman "Der Novembermörder" begeistert hat, hab ich mich nun gespannt auf ihren zweiten Roman um Kriminalkommissarin Irene Huss geworfen. Und Helene Tursten ist wieder ein klasse Kriminal-Roman gelungen. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Jede Menge mögliche Verdächtige, Morde satt und kleine Puzzleteilchen die sich immer mehr zu einem Bild verdichten, das doch erst am Ende wirklich zur Lösung führt. Irene Huss als Figur hat mir auch in diesem Roman wieder gut gefallen und der kleine Nebenstrang über ihre Familie und die Vorkommnissen dort war wieder interessant. Nachdem ihre Tochter im Novembermörder blauäugig in die rechte Szene abzurutschen drohte, sind es diesmal radikale Veganer, die sie fast auf Abwege bringen. Das Irene Huss wenn es um ihre Tochter geht, der Polizei eiskalt eine Lügengeschichte auftischt, habe ich allerdings als störend und eher negativ empfunden, auch wenn es menschlich verständlich sein mag. Auch "Der zweite Mord" verdient auf meiner Bewertungsskala wieder fünf Sterne!
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Es fällt mir schwer, dieses Buch zu "bewerten". Weil es ein sehr persönliches individuelles Buch ist. Hier schreibt ein Mensch über das, was er empfunden und erlebt hat, über seine Irrtümer und Irrwege, über Liebe und Angst. Der Respekt vor einem anderen menschlichen Wesen gebietet es eigentlich solch einen Text für sich stehenzulassen. Soviel aber kann ich sagen, auf mich hat der Text sehr eigentümlich gewirkt. Hinter den Beschreibungen des persönlichen Empfindens ahnt man die lauernden Abgründe, die Furcht, die auf A.S. lastet wird fast spürbar. Die Beschreibungen des Landes und der Menschen läßt dem Orientkenner lebendige Bilder aufsteigen. Für Leser, die Annemarie Schwarzenbach und ihre Lebensumstände und -hintergründe nicht schon kennen, bietet es sich unter Umständen an, zuerst den Essay von Roger Perret am Ende des Buches zu lesen, um so manches im Buch besser zu verstehen und einordnen zu können. Es ist aber genauso möglich, wirklich erst den eigentlichen Text zu lesen und unmittelbar auf sich wirken zu lassen und so wie im Buch vorgesehen, den Essay erst am Ende zu lesen.
Sicherlich ist die Lektüre dieses Buches nicht für jedermann geeignet, mag auf Menschen mit einer gänzlich anderen Art als der von A.S. sogar eher abstoßend wirken.
Ich fand es ein interessantes und hier und da auch seltsam faszinierendes Buch, letztlich aber doch nicht wirklich befriedigend. Das aber kann man der Autorin eigentlich nicht vorwerfen, denn in ihrem Vorwort kündigt sie das schon an. Wer sich also trotzdem daran macht, das Buch zu lesen, weiß, worauf er sich einläßt.
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Aber so sonderbar es sich anhört: Wir scheuen uns, die Dinge beim Namen zu nennen. Oft sprechen wir über Persien, es lohnt sich gewiss, sich über seine vielen Herrlichkeiten und Merkwürdigkeiten zu unerhalten. Aber wenn jemand Heimweh hat, spricht er nicht darüber - und das ist doch nur die erste Stufe des Leidens.
Wenn ich zu Hause wäre, an irgendeinem freundlichen europäischen Ufer, würde ich sicher an die Möglichkeit eines klärenden Gesprächs glauben - die Ärzte versprechen sich ja so viel davon -, aber hier glaubt man an gar nichts. Die Engel sind zu stark, und sie gehen auf unverletzten Füssen; die Menschen aber wollen einander nicht in Anspruch nehmen; man weiss ja nicht so genau, wo der andere verwundbar ist, vielleicht an der gleichen Stelle? Und so breitet sich das Schweigen aus. Man nennt es: hart werden ...
Aus : Annemarie Schwarzenbach, Tod in Persien
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21.1. Tod in Persien
Dieses Buch wird dem Leser wenig Freude bereiten. Es wird ihn nicht einmal trösten und aufrichten, wie traurige Bücher es sehr oft vermögen, denn es ist eine verbreitete Ansicht, dass Leiden eine moralische Kraft besitzt, wenn sie nur auf rechte Weise ertragen werden. Ich habe gehört, dass selbst der Tod erhebend sein kann, aber ich gebe zu, dass ich daran nicht glaube: denn wie soll man sich über seine Bitterkeit hinwegsetzen? Er ist eine zu unverständliche, zu unmenschliche Gewalt ..., und er verliert sie nur, wenn man ihn erwartet als den einzigen uns zugestandenen und unwiderruflichen Weg aus unseren Irrwegen.
Ja, um Irrwege handelt es sich in diesem Buch, und sein Thema ist die Hoffnungslosigkeit.
Aus dem Vorwort von: Annemarie Schwarzenbach, Tod in Persien
Was für eine Einleitung zu einem Buch!
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21.0. Tod in Persien
Vor einiger Zeit bin ich auf Annemarie Schwarzenbach aufmerksam geworden. Sie wurde 1908 in Zürich geboren. Sie studierte in Zürich und Paris Geschichte, später war sie eine enge Freundin und Mitstreiterin von Erika und Klaus Mann – Erika war auch eine ihrer zahllosen unglücklichen Frauengeschichten. Sie fing zu schreiben an und war als Journalistin, Schriftstellerin und Fotoreporterin tätig. Ende der 30er Jahre durchquert Annemarie Schwarzenbach den Orient, der eine gewisse Faszination auf sie ausübte, wenn auch eine zunehmend dunkle. Die junge Schweizer Schriftstellerin war auf der Flucht vor ihrer konservativen Familie, den politischen Umbrüchen im Vorkriegseuropa und auf der Suche nach sich selbst.1942 kam sie bei einem Unfall in den Engadiner Bergen um.
Zur Zeit wird wegen der aktuellen Situation ihr Buch "Alle Wege sind offen. Die Reise nach Afghanistan 1939/40" eher gelesen, aber ich habe mich für dieses hier zum Einstieg entschlossen.
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