Archiv 2002
07.04.02 - 13.04.2002
13.4.02
20.2. Das dreizehnte Sternbild
Wie schon erwähnt, habe ich bereits die zwei folgenden Romane rund um Kommissar Cato gelesen, die mich beide sehr begeistert haben. Nun also der verspätet den ersten bzw. Auftakt-Roman. Im Nachhinein bin ich froh, zunächst einen der Folge-Romane gelesen zu haben, denn "Das dreizehnte Sternbild" hat mich nicht so begeistert wie die beiden anderen Romane. Zum einen liegt es vielleicht daran, daß mich die Geschichte sehr an den Roman "Zeit zu sterben" von Leena Lehtolainen erinnert hat. Wobei ich nicht weiß, wer von den beiden Autorinnen die Idee für einen solchen Hintergrund für einen Kriminal-Roman zuerst hatte. Auch hier geht es wieder um das Thema Gewalt gegen Frauen und auch hier ergreift jemand eigenständig die Rache. Der Hauptunterschied besteht wohl darin, daß man im Buch von Leena Lehtolainen von Anfang an weiß, wer der bzw. die Täterin ist, während es in "Das dreizehnte Sternbild" erst am Ende aufgelöst wird. Dabei gibt es eine handfeste Überraschung. Zumindest ich war überrascht. *g* Was mir aber an diesem Buch fast noch besser gefallen hat, als die eigentliche Krimihandlung ist die Beschreibung der persönlichen Situation von Cato Isaksen, der nachdem er seine Frau und beiden Söhne verlassen hat, um mit seiner Geliebten und ihrem gemeinsamen Kind zusammenzuleben, in eine absolute Konfliktsituation gerät. Was ihm, den beiden Frauen und den beiden älteren Söhnen dabei an Gedanken und Empfindungen durch den Kopf bzw. durch's Herz gehen, ist äußerst anschaulich beschrieben und offenbart einen interessanten psychologischen Einblick in die Situation aller Beteiligten in einer solchen Konstellation.
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12.4.02
20.1. Das dreizehnte Sternbild| Die Menschen existieren nur füreinander. Der Natur ist der Tod der Menschen gleichgültig. Für sie gibt es nur die Schatten der Bäume. Aber für die Menschen. Für die Menschen ist der Unterschied zwischen Haß und Liebe dasselbe wie der Unterschied zwischen Tod und Leben. Der Tod ist ein riesiger, verfressener Schlund. Wer tot ist, kann nie mehr zurückgezaubert werden. Von der Erde bist du gekommen. Zu Erde sollst du werden. Von der Luft bist du gekommen. Zu Stein sollst du werden. Vom Nichts bist du gekommen. Zu Nichts sollst du werden. Das Leben ist die Bewegung und der Zusammenhang zwischen Gedanken und Fleisch. Für die Menschen ist der Körper das Haus, ihr Gesicht ist das Fenster, ihr Herz die Tür. Die Bosheit ist der Stein. Aus: Unni Lindell, Das dreizehnte Sternbild |
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20.0. Das dreizehnte Sternbild
Nach zwei Romanen von Unni Lindell, die mich beide begeistert haben, lese ich gerade endlich den eigentlich ersten Roman in der Krimi-Reihe um Kommissar Cato Isaksen. Damit klären sich manche Fragen, die entstanden sind, wenn sich die Folge-Romane auf frühere Vorkommnisse bezogen. Was mir spontan aufgefallen ist, ist, daß Unni Lindell offenbar zunächst vorhatte Hauptkommissarin Myklebust als Hauptfigur zu etablieren. Das hat sich aber offenbar ziemlich schnell geändert, denn schon im zweiten Band der Serie ist eindeutig Cato Isaksen der Hauptermittler, wenn auch Myklebust seine Chefin ist und bleibt. Auch in diesem Roman hier spielt Cato Isaksen eine wesentlich größere Rolle als Myklebust - bisher zumindest.[link]
11.4.02
Pulitzer-Preis 2002Richard Paul Russo hat den Pulitzer-Preis 2002 für Prosaliteratur gewonnen. Der 52-Jährige wurde am Montagabend in New York für seinen Gesellschaftsroman "Empire Falls" ausgezeichnet. In ihm schildert Russo den harten Alltag in einer Kleinstadt von Maine, die bei ihm zum Inbegriff für die Träume und Enttäuschungen ihrer Bewohner und letztlich Amerikas wird.
Der Poesie-Preis ging an den Literaturprofessor Carl Dennis für seinen neuen Gedichtband "Practical Gods". Der 62-Jährige ist bekannt für seine einfache Sprache und nach Kritiken der "New York Times" für seine "weisen, originellen und oft sehr bewegenden" Werke.
Die Auszeichnung für die beste Biografie des Jahres ging an David McCullough für sein Werk über einen der ersten US-Präsidenten, "John Adams". In dem 700-Seiten-Werk, erzählt er von Adams tiefer Liebe und Bewunderung zu seiner Frau Abigail sowie seinen herausragenden diplomatischen Fähigkeiten.
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Marie Hermanson ist zu Lesungen nach Deutschland
1956 geboren, arbeitete sie zunächst als Journalistin, bis sie mit einer Sammlung von Geschichten debütierte, der drei Romane folgten. "Muschelstrand" war schon sehr erfolgreich. Nun wird sie in Deutschland aus ihrem neuesten Buch "Schmetterlingsfrau" lesen.
11.04. Ravensburg, Kornhaussaal, 20 Uhr
12.04. Mannheim, Frauenbuchladen Xanthippe 19.30 Uhr
14.04 Recklinghausen, Altstadtschmiede 20 Uhr
17.04 Berlin, Nordische Botschaften, 20 Uhr
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10.4.02
19.2. Orangen sind nicht die einzige Frucht
Jeanette Winterson hat hier einen biographischen Roman vorgelegt, der schon in England Furore machte. Zu Recht, finde ich. Ein Mädchen wird adoptiert, um die Wunschträume ihrer Adoptivmutter zu erfüllen. Diese sind in höchstem Grade "religiöse" initiiert und da das Kind in einer extrem charismatisch-religiösen Atmosphäre aufwächst, erscheint ihm alles zunächst auch als recht und billig. Erlebnisse werden berichtet, bei denen man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Z.B. als das Mädchen fast ertaubt, dies aber religiös mit "das Kind ist des Heiligen Geistes voll" erklärt wird, weil das in diesem Umfeld viel wahrscheinlicher erscheint, als daß jemand auf die Idee kommt, es könnte ein gesundheitliches Problem vorliegen. Zum Glück gibt es auch noch vernünftige Menschen im Umfeld, die bemerken was los ist, und so Schlimmeres verhindern. Auch die Rolle der absoluten Aussenseiterin nimmt das Mädchen hin, schließlich ist das den "Nachfolgern des Herrn" ja so vorausgesagt worden und nur ein Beweis dafür, daß man auf dem rechten Weg ist. Bis, ja bis sich herausstellt, daß das Mädchen Frauen liebt. Eine absoluten Katastrophe für das Umfeld und entsprechend fallen die Reaktionen aus. Ein schmerzhafter und äußerst schwieriger Ablöseprozeß folgt. Wer eine solche religiöse Umgebung aus eigener Erfahrung kennt oder miterlebt hat, der wird nur Hochachtung empfinden können, daß es Jeanette Winterson möglich war, ihr Erleben auf die Art zu erzählen, wie sie es in diesem Roman tut. Keine Verbitterung klingt durch, zwar viel Schmerz und Wehmut, man spürt, daß sie Wunden und Narben davongetragen hat, aber sie steht darüber, sie wird davon nicht (mehr) bestimmt. Auf jeden Fall auch ein Roman, der Menschen, die in einem stark religiösen Umfeld aufgewachsen sind und Mühe haben, sich aus diesen Mustern - sofern sie ungesund sind - zu lösen, viel Trost und Ermutigung geben kann. Etwas, über das man wirklich herzlich lachen kann, hat man schon fast überwunden. Aber auch für Leute, die nicht aus einem solchen Umfeld kommen, ein überaus vergnüglich zu lesendes Buch.
Da mich die Autorin durch ihre Art über ihr Erleben zu schreiben so beeindruckt hat, hab ich mal nachgeschaut, ob ich im Internet noch weitere Informationen über sie finde und bin fündig geworden: hier und hier.
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9.4.02
19.1. Orangen sind nicht die einzige Frucht| Es gibt viele Formen von Liebe und Zuneigung, manche Menschen können ihr ganzes Leben miteinander verbringen, ohne ihren Namen zu kennen. Beim Namen-Nennen ist ein schwieriger und zeitraubender Prozeß; er betrifft das Wesentliche und er bedeutet Macht. Aber wer kann uns in den wilden Nächten nach Hause rufen? Nur die eine Person, die unseren Namen kennt. Die romantische Liebe wurde ins Taschenbuchformat verwässert und tausend- und millionenfach verkauft. Aus: Jeanette Winterson, Orangen sind nicht die einzige Frucht |
Dieses Zitat ist ein Beispiel für eine eher ernste Passage aus diesem Buch. Es gibt viel Humor und Lachen aber eben auch diese Passagen, die vor dem ansonsten humorvollen Hintergrund um so stärker wirken und zum Nachdenken anregen.
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19.0. Orangen sind nicht die einzige Frucht
Ich habe vergessen, wie ich auf dieses Buch aufmerksam geworden bin, aber schon jetzt ist klar, es wird äußerst vergnüglich zu lesen sein. Die ersten Kapitel hab ich bereits gelesen und komme aus dem Grinsen und Lachen gar nicht mehr heraus. Aber mehr schreib ich jetzt mal noch nicht, sonst hab ich am Ende nix mehr zu schreiben. ;o)[link]
8.4.02
Gutenberg onlineSo, sie ist wieder da, die Gutenberg-Sammlung. Spiegel sei Dank!
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18.2. Das Lächeln der Fortuna

Volle Fünf Sterne und das mit Freuden vergebe ich für diesen historischen Roman. Ein Buch, das einen voll in Beschlag nimmt. Die Geschichte von Robin, der in seinem Leben viel Auf und Ab erlebt, sich doch nie unterkriegen läßt und dabei seine Ehrlichkeit und Treue nie aufgibt und am Ende dafür nicht nur von Fortuna belohnt wird. Ein pralles Leben, eingebettet in die historischen Ereignisse rund um die Zeit des Schwarzen Prinzen und König Richards in England. Mir kamen beim Lesen mehrfach auch "Die Säulen der Erde" von Ken Follett in den Sinn. Beide Bücher ragen meiner Meinung nach aus den vielen historischen Romanen heraus und man wünscht sich zu erfahren, wie es mit den verschiedenen Figuren der Romane weitergeht.
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