Archiv 2002
24.02.02 - 02.03.2002
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Er sagte sich, die Grundfrage laute nicht: Haben sie es gewußt oder nicht?, sondern: Ist der Mensch unschuldig, weil er unwissend ist?
Aus: Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Interessante Frage! Vor allem, wenn man sie auf konkrete geschichtliche Situationen anwendet. Weil sie die Frage nach sich zieht: Hätte der Mensch wissend sein können? Und wenn man es auf die heutige Zeit anwendet, dann würde das bedeuten, daß sich die Gefahr, schuldig zu werden, unglaublich potenziert, weil ja immer mehr Informationen für immer mehr Menschen zur Verfügung stehen. D.h. jeder muß ja zwangsläufig eine Auswahl treffen. Eine Auswahl, worüber er informiert sein möchte, was er wissen will und was nicht. Oder entlastet diese Informationsflut den Menschen schon wieder, gerade weil es niemandem mehr möglich ist eine "richtige" oder "umfassende" Auswahl zu treffen? Da läßt sich wahrhaftig länger drüber nachdenken.
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11.7. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Für Sabina ist "in Wahrheit leben", weder sich selbst noch andere zu belügen, nur unter der Voraussetzung möglich, daß man ohne Publikum lebt. Von dem Moment an, wo jemand unserem Tun zuschaut, passen wir uns wohl oder übel den Augen an, die uns beobachten, und alles, was wir tun, wird unwahr. Ein Publikum zu haben, an ein Publikum zu denken, heißt, in der Lüge zu leben.
Aus: Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Wer kann dann "in der Wahrheit leben"? Niemand ist völlig allein, völlig unbeobachtet. Ja, im Grunde muß nicht einmal jemand direkt anwesend sein, um sich doch "beobachtet" zu fühlen. Es passiert doch immer mal wieder, daß einem Menschen bei einer Handlung durch den Kopf geht: "Wenn das jetzt xy wüßte/sehen würde". Oder daß jemand etwas nicht tut, weil er weiß, daß jemand anderes es mißbilligen würde - seien es die Eltern, Freunde, die Nachbarschaft oder sonstwer. Die aber ahnen ja nicht einmal, was dieser betreffende Mensch gerade erwogen hat zu tun. Aber weil er sich nur vorstellt, es wäre ein Publikum da (also eigentlich ein fiktives Publikum), verhält er sich schon anders.
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11.6. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Aber gerade der Schwache muß stark sein können und weggehen, wenn der Starke zu schwach ist, dem Schwachen ein Unrecht antun zu können.
Aus: Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
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253
Ein sehr interessantes literarisches Projekt (Achtung: englischsprachig ;o) ), das im Internet begann, inzwischen aber auch als Buch erhältlich ist! "253. Der U-Bahn-Roman" (selbstverständlich auf deutsch! ;o) )
darauf aufmerksam geworden via ombas
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Auch schon 60 Jahre
Neben dem Literaturbrummer feiert heute auch John Irving seinen Geburtstag. Den 60. um genau zu sein. Das nur zur Kenntnis für all die Irving-Fans, die sich hier tummeln und denen dieses Ereignis ansonsten vielleicht entgangen wäre! ;o)
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Wird aber ein Ereignis nicht um so bedeutungsvoller und gewichtiger, je mehr Zufälle für sein Zustandekommen notwendig sind?
Nur der Zufall kann als Botschaft verstanden werden. Was aus Notwendigkeit geschieht, was absehbar ist, was sich täglich wiederholt, ist stumm. Nur der Zufall ist sprechend.
Aus: Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Das kann ich aus ganz eigener Erfahrung bejahen. Daß ich meine Freundin Ellie kennengelernt habe, war der reine Zufall und daraus wurde eine der bedeutungsvollsten Begegnungen für mich in meinem bisherigen Leben. Noch heute bin ich manchmal fast "erschüttert", daß es diese Zufälle, die dazu geführt haben, daß wir uns getroffen haben, überhaupt gegeben hat und es verschlägt mir den Atem, wenn ich daran denke, wie schnell es hätte passieren können, daß wir knapp aneinander vorbeigelaufen wären, ohne uns jemals begegnet zu sein.
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11.4. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Für uns besteht die Größe des Menschen darin, daß er sein Schicksal trägt, wie Atlas das Himmelszelt auf seinen Schultern getragen hat.
Aus: Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Tja, da ist was dran. Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen. Immer wieder aufstehen und weiterkämpfen, haben eine besondere Ausstrahlung. Andererseits ist das, wenn ich so darüber nachdenke, vielleicht doch nochmal etwas anderes. Denn diese Menschen "kämpfen" ja gegen ihr Schicksal an und "ergeben" sich nicht dahinein. Sein Schicksal tragen, kann so und so aussehen - Ergebung oder Nichtunterkriegenlassen. Für mich sind glaub ich die Letzteren die "Großen".
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Er schlug vor, den Hund Tolstoi zu nennen.
"Tolstoi, das geht nicht", wandte Teresa ein. "Es ist doch ein Mädchen. Vielleicht Anna Karenina."
"Anna Karenina geht nicht, weil keine Frau eine so drollige Schnauze hat", sagte Tomas. "Schon eher Karenin. Klar, Karenin. Genau so habe ich ihn mir immer vorgestellt."
"Wird das nicht ihre sexuelle Entwicklung nicht stören, wenn man sie Karenin nennt?"
"Schon möglich", sagte Tomas, "daß ein Weibchen, das von seinem Herrn ständig als Männchen angeredet wird, lesbische Tendenzen entwickelt."
Aus: Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
*Lach!* ... Also mindestens einer meiner Kater zeigt homosexuelle Tendenzen und das, ohne daß wir ihn je mit einem weiblichen Namen gerufen hätten. ;o)) Aber der Namen Karenin gefällt mir ... für einen sechsten Kater! ;o))))
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11.2. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Man kann nie wissen, was man wollen soll, weil man nur ein Leben hat, das man weder mit früheren Leben vergleichen noch in späteren korrigieren kann. ... Es ist unmöglich zu überprüfen, welche Entscheidung die richtige ist, weil es keine Vergleiche gibt. Man erlebt alles unmittelbar, zum ersten Mal und ohne Vorbereitung. Wie ein Schauspieler, der auf die Bühne kommt, ohne vorher je geprobt zu haben. Was aber kann das Leben wert sein, wenn die erste Probe für das Leben schon das Leben selber ist? Aus diesem Grunde gleicht das Leben immer einer Skizze Auch Skizze ist nicht das richtige Wort, weil Skizze immer ein Entwurf zu etwas ist, die Vorbereitung eines Bildes, während die Skizze unseres Lebens eine Skizze von nichts ist, ein Entwurf ohne Bild
Aus: Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Wow, wenn man das Konzept eines einmaligen Lebens ohne zum Beispiel einer Reinkarnation zugrunde legt, ist das eine klasse Erklärung, warum es so schwer bzw. unmöglich ist, wirklich zu wissen, was man wollen soll, bzw. wie Leben. Irgendwie auch erschreckend sich klar zu machen, daß man ohne Generalprobe etc. da draußen auf der Bühne des Lebens aktiv ist.
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11.1. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Sagen wir also, daß der Gedanke der Ewigen Wiederkehr eine Perspektive bezeichnet, aus der die Dinge uns anders erscheinen, als wir sie kennen: sie erscheinen ohne den mildernden Umstand ihrer Vergänglichkeit. Dieser mildernde Umstand hindert uns nämlich daran, ein Urteil zu fällen. Wie kann man etwas verurteilen, das vergänglich ist?
Aus: Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
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Von Milan Kundera habe ich natürlich schon oft gehört, ihn aber trotzdem nicht so recht wahrgenommen. Bis ich dann durch Anne wieder auf ihn aufmerksam wurde. Ihr schlossen sich noch weitere begeisterte Stimmen an, so daß ich beschloß, es sei nun doch endlich an der Zeit Milan Kundera selbst einmal zu lesen. Das Buch wanderte auf meine "Lese-Liste" und "Wunsch-/Merk-Liste".
Eigentlich wollte ich im Anschluß an "Das Kreuz und die Lanze" den Roman "Der Novembermörder" von Helene Tursten lesen, habe mich jetzt aber kurzfristig entschieden doch erst Kundera zu lesen. "Der Novembermörder" folgt dann als nächstes und da der Kundera nicht so umfangreich ist, schätze ich mal, wird es nicht lange dauern, bis diejenigen, die schon auf den Novembermörder hier warten, dann auch davon lesen können.
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10.0. Das Kreuz und die Lanze 
Ein typischer Kreuzfahrer-Roman. Wer sich für historische Romane interessiert, wird Gefallen daran finden. Mich selbst hat der Roman nicht wirklich überzeugen können, was zum einen daran lag, daß er doch wieder sehr ähnlich geschrieben ist, wie schon die (sicher lesenswerten) Aidan-Romane vom selben Autor, zum anderen teilweise doch sehr stark erinnerte an die Kreuzfahrer-Trilogie von Jan Guillou, die mir aber deutlich besser gefallen hat. Doch wie gesagt: "Das Kreuz und die Lanze" ist wieder ein oppulenter historischer Roman, dessen Lektüre sich an verregneten Tagen sicher lohnt.
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Durch ihn darauf aufmerksam geworden und bei weiterer Nachforschung hierauf gestoßen. Das finde ich nun doch sehr interessant, zumal ich Günter Grass "Blechtrommel" nicht sonderlich mochte, mir Owen Meany aber sehr gefallen hat.
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